Die Cebit macht dicht. Das ist ein Schock für Politik, Wirtschaft und viele Menschen, denn die Messe war jedes Mal eine Party. Die letzten Jahre hatten es angedeutet: Die CeBIT macht nicht mehr lange. Der Vorstand der Messe AG sorgt für ein abruptes Ende der traditionsreichen Computer- und Telekommunikations-Fachmesse. Jetzt – nach 33 Jahren – schließt die einst weltgrößte Computermesse ihre Pforten. Damit endet eine Ära der deutschen Messelandschaft. Warum wurde die CeBIT eingestellt?

Die Anfänge der CeBIT

Als die CeBIT – kurz für Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation – 1986 das Licht der Welt erblickt, finden IT-Unternehmen eine neue Heimat. So tauchen dort zum Beispiel die ersten Computer mit Pentium-Prozessor, der erste Farb-Laptop (Zenith) und das erste Smartphone auf. Die Messe entwickelt sich rasant zu einem echten Publikumsmagneten. Um die Jahrtausendwende strömen rund 800.000 Besucher in die Messehallen, um sich über die neuesten Trends der Informations- und Kommunikationstechnik zu informieren.

CeBit

Die CeBit

Eine gefüllte Halle zu den besten Zeiten der CeBit. (Bildquelle: pxhere.com / pexels.com / Pixabay / google)

Die Gründe für das Messe aus

Auf der Messe sollte sich alles um die neuesten technischen Errungenschaften drehen. Das wollten die Besucher sehen – und vor allem erleben. Denn heutzutage sind die neuesten Gadgets Alltag für die Messebesucher. Auf Messen gehen sie, um unterhalten zu werden. Die neuesten Produkte sehen sie schon vorher online, dafür müssen sie nicht extra zur CEBIT fahren. Auch die Zeiten der steifen, förmlichen Firmen-Events neigt sich dem Ende zu: Messen sollen immer mehr zwei Welten verbinden, die berufliche und die private. Was nicht nur mit Hedonismus zu tun hat – denn die besten und vielversprechendsten Deals werden seit jeher eher über einem gemeinsamen Bier geschlossen als in förmlichen Konferenzräumen.

Steigende Ticketpreise lassen dann jedoch den Besucherstrom einreißen. Ein Ausstellungsverbot für Sony und seine Playstation lassen das Interesse der Verbraucher zusätzlich sinken. Der japanische Elektronikkonzern ist danach nie wieder auf der Messe zu sehen. Zudem laufen thematisch verwandte Messen wie die 3GSM in Barcelona der CeBIT zunehmend den Rang ab, da diese Produkte und Themenwelten zeitlich eher präsentieren. Erlebnisbesucher wenden sich der IFA zu, so dass die Besucherzahlen weiter fallen.

Seit 2007 ist die CeBIT damit in einer Krise. Der Veranstalter steuert dagegen, indem er aus der Messe einen Kongress mit Event-Charakter macht, auf dem Konzerte stattfinden und Besucher riesenradfahren und surfen können. Das kann den freien Fall nicht mehr stoppen. Kurz vor Schluss kommen nur noch gut 120.000 Gäste auf die Messe.

Messe Ende - Bye,Bye CeBit - Die IT-Messe wird eingestellt

Die CeBit

Eine leere Halle zu den nicht so guten Zeiten der CeBit. (Bildquelle: pxhere.com / pexels.com / Pixabay / google)

Neues Konzept gescheitert

2018 war die Cebit mit einem grundlegend neuen Konzept und einem neuen Termin im Juni an den Start gegangen. Das lockte zwar nur 2800 Aussteller und 120.000 Besucher auf das Messegelände nach Hannover, wurde aber von Vielen als gelungene Neuaufstellung angesehen. Der Festival-Charakter kam an – allerdings gab es gerade daran auch Kritik, da das Geschäft zu kurz komme.Allerdings schien klar, dass sich Erfolg oder Scheitern des neuen Konzepts nicht nach der ersten Veranstaltung im neuen Gewand endgültig beurteilen ließe. Die alte und neue Cebit seien aber nicht zu vergleichen, betonte Cebit-Chef Frese zum Ende der Cebit 2018. Aussteller und Partner seien allesamt zufrieden gewesen. Die Cebit 2018 war tatsächlich eine komplett neue Messe geworden – etwas, das in vielen Bereichen, etwa was Eventcharakter oder Erfahrbarkeit des digitalen Alltags angeht, wohl erst mitbekam, wer die Messe selbst besuchte. Zur Cebit 2018 hieß es noch von der Messe AG, dass das neue Konzept mindestens drei Jahre Zeit zum Reifen und zur Durchsetzung brauche. Diese drei Jahre sind nun sehr kurz geworden. Damit ist die Chance vertan, aus der Cebit wieder ein Schaufenster der gesamten Digitalisierung und ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft – im positiven ebenso wie im kritischen Sinne – zu machen.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass die CEBIT also das Problem erkannt und sich im Jahr 2018 rundum neu erfunden hatte. Wenn man sich von Riesenrad, Drohnen-Lichtshow und Musik-Acts blenden ließ, stimmte das wohl auch. Alles wirkte modern und wie bei den großen Vorbildern aus Amerika. Doch bei genauem Hinsehen wurde klar: Die Wandlung kam zu spät. Denn solche Veränderungen brauchen Zeit. Nur weil der Messeveranstalter mit der Zeit geht, ziehen die Aussteller noch lange nicht mit. Darum sah es in den Messehallen auch ziemlich genauso aus wie in den Jahren zuvor. Alte Messestände und langweilige Unternehmens-Präsentationen wohin das Auge blickt. Die Einsicht kam also leider zu spät, was sich nun rächt.

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